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Blick ins Taubenhaus endlich möglich

Ausstellung erinnert an die Geschichte des Klosters St. Ludgeri und der Domäne in Helmstedt

Von Beate Ziehres

HELMSTEDT. Ein lange gehütetes Geheimnis wurde am Sonntag gelüftet. Was ist wohl im Taubenhaus des ehemaligen Klosters St.Ludgeri? Seit Sonntag beherbergt das Häuschen am Ludgerihof eine Ausstellung. Sie beschäftigt sich auf 23 Tafeln mit dem Leben des Helmstedter Stadtpatrons Ludger, mit den Schätzen und der Geschichte des Klosters.

Bisher war das im Besitz der Stadt Helmstedt befindliche Taubenhaus nicht öffentlich zugänglich. Handwerker verwandelten nun den Innenraum mit Farbe und elektrischen Installationen in einen Ausstellungsraum.

"Das Taubenhaus war ein Schmuckpunkt im Zentrum der Domäne", erinnerte sich Edgar Isermann am Sonntag. Der Präsident des Oberlandesgerichts Braunschweig ist der Sohn des letzten Domänenverwalters und im ehemaligen Kloster aufgewachsen. Das Taubenhaus sei eine Stätte der Stille gewesen, so Isermann. "Ich war immer neugierig, was darin wohl sei. Als ich dann reingekrabbelt bin, habe ich vieles gesehen, aber keine Tauben."

Anlässlich des 1200. Todestages des Heiligen Ludger ließen die Freunde des Klosters St.Ludgeri eine Ausstellung erstellen, die das Wirken des Klostergründers beleuchtet. Stadtarchivarin Melsene Bittó hat aus diesem Grund die Beziehung der Stadt zum Kloster unter die Lupe genommen. In einer Urkunde Ottos des Großen aus dem Jahr 952, in der die Abgabe des Zehnten an das Kloster geregelt wurde, seien sowohl die Ansiedlung Helmstedt als auch das Kloster erstmals erwähnt worden.

"Die Geschichte des Klosters und die der Stadt sind nicht zu trennen", sagte Bittó und nannte als Beispiel die Verhängung der Reichsacht gegen Helmstedt. Im Jahr 1288 sei der Abt des Mutterklosters Werden während eines Streits mit dem Herzog nach Helmstedt gekommen. Auf dem Papenberg kam es zu Unruhen, in deren Verlauf der Abt erschlagen wurde. "Die Reichsacht bedeutete den wirtschaftlichen Niedergang für Helmstedt", verdeutlichte Bittó.

Es gebe noch vieles rund um das Kloster zu erforschen, schloss die Stadtarchivarin, einschließlich des eindeutigen Gründungsdatums. Besucher erhalten den Schlüssel zum Taubenhaus in der Begegnungsstätte Kloster St.Ludgerus. Das Büro ist wochentags von 9 bis 17 Uhr und sonntags von 10 bis 14 Uhr geöffnet.

Bericht der Braunschweiger Zeitung, Helmstedt vom 19. Mai 2009

Quelle: Braunschweiger Zeitung, Helmstedt, 19. Mai 2009, Helmstedt Lokales, Seite H02

 

Taubenhaus war einst Machtsymbol

Der Mittelpunkt der früheren Domäne des Klosters St. Ludgeri erinnert noch heute an 1200-jährige Geschichte

Von Michael Bertram

HELMSTEDT. Das Taubenhaus verdeutlicht am besten, wie die Domäne des Klosters St. Ludgeri im Laufe der Zeit zerschnitten wurde. Seit 1978 steht das Gebäude auf einer Insel inmitten des Stadtrings, dem zuvor die Brennerei und ein Wohnhaus weichen mussten.

Das Taubenhaus bildete einst den Mittelpunkt der drei Hektar großen Hofanlage. Für jeden, der das Kloster durch das Türkentor im Osten betrat, stellte das Gebäude ein Machtsymbol dar.

"Nur Adlige, Priester und Mönche durfte Tauben züchten", erklärt der Leiter der Begegnungsstätte St. Ludgeri, Jürgen Selke-Witzel. "Die Anzahl der Tauben richtete sich nach der Größe des Landbesitzes", ergänzt er. 1000 Tiere wurden im Kloster gehalten.

Mit Ackerwirtschaft und Viehzucht auf einer Fläche von 600 Hektar erwuchs das Kloster in seiner 1200-jährigen Geschichte zum wirtschaftlichen Zentrum der Stadt, das vom 11. bis 13. Jahrhundert seine Blütezeit erreichte. "St. Ludgeri war ein Kristallisationspunkt für die Umgebung", erzählt Selke-Witzel. Die Gründung eines Marktes durch den Abt vermehrte ab dem 11. Jahrhundert den Reichtum von St. Ludgeri.

Doch das Kloster und die Helmstedter Bürger profitierten nicht immer voneinander. Mit den reformatorischen Bewegungen endete das friedliche Zusammenleben, das in der Zerstörung großer Teile der Anlage im Jahr 1553 durch protestantisch gewordene Bürger mündete. Erst über 100 Jahre später wurde das Kloster im barocken Stil neu aufgebaut und erwuchs zu neuer Größe. Im Jahr 1900 besann sich die Stadt auf ihre Wurzeln und nahm den Patron des Klosters in ihr Wappen auf. "Vorher waren nur zwei Krummstäbe zu sehen", erläutert Stadtarchivarin Melsene Bittó.

Einige Jahre zuvor wurde das Kloster bereits nach außen hin geöffnet – mit der Bahntrasse nach Magdeburg, die quer durch die Anlage geführt wurde. Bis 1946 pachtete die Familie Brandt über mehrere Generationen hinweg große Teile der Domäne, bis diese vom Land zur Selbstbewirtschaftung übernommen wurden. Zu dieser Zeit waren längere Abschnitte der Klostermauern bereits gefallen, das Türkentor zudem im Krieg zerstört worden.

Mit der alten Brennerei im Norden und einem Wohnhaus am Türkentor gingen Ende der 70er-Jahre für den Bau des Stadtrings weitere Anlagen verloren.

"Diese Verwobenheit von Kloster und Stadt müsste mehr in das Bewusstsein der Menschen gerückt werden", meint Selke-Witzel. Denn wer heute mit dem Auto das Taubenhaus passiere, sei sich gar nicht mehr bewusst, dass er quer über den einstigen Klosterhof fährt.

Bericht der BZ, Helmstedt,

Quelle: Braunschweiger Zeitung, Helmstedt, 25. Juni 2009, Helmstedt Lokales, Seite H02

 

Nur Mächtige durften Tauben züchten

HELMSTEDT Ausstellung im historischen Taubenhaus des Kloster St. Ludgeri erzählt eine bewegte Geschichte

Von Michael Bertram

Das vor über 240 Jahren erbaute Taubenhaus in Helmstedt veranschaulicht wie kaum ein zweites Gebäude die bewegte Geschichte des Klosters St. Ludgeri.

Eine Ausstellung im Erdgeschoss des Gebäudes bietet derzeit einen Einblick in die historischen Entwicklungen.

Das Taubenhaus bildete einst den Mittelpunkt der drei Hektar großen Hofanlage des Klosters. Damit stellte das Gebäude für jeden, der das Kloster durch das im Zweiten Weltkrieg zerstörte und in den 80er Jahren wieder errichtete Türkentor im Osten betrat, ein Machtsymbol dar.

Denn nur Adlige, Priester und Mönche durften zur damaligen Zeit Tauben züchten. Je mehr Tauben, desto größer das Land. Im Helmstedter Taubenhaus gab es bis zu 1000 Plätze. Mit Ackerwirtschaft und Viehzucht auf einer Fläche von 600 Hektar erwuchs das Kloster in seiner 1200-jährigen Geschichte schließlich zum wirtschaftlichen Zentrum der Stadt.

Doch das Zusammenleben von Bürgern und den Geistlichen hinter den Klostermauern verlief nicht immer friedlich. Im Zuge der Reformation wurde das Kloster in großen Teilen zerstört, 1553 brannten protestantisch gewordene Bürger sogar die Klosterkirche nieder.

Erst 100 Jahre später wurde das Kloster im barocken Stil neu aufgebaut und erwuchs über die Jahrhunderte zu alter Größe. Mit der Wende zum 20. Jahrhundert wurde das Kloster aber immer mehr nach außen hin geöffnet. Mit der Bahntrasse nach Magdeburg, die über das Gelände führte, wurde die Domäne sogar zerschnitten. Bis 1946 befanden sich große Teile der Domäne in Familienhänden, bis diese vom Land zur Selbstbewirtschaftung übernommen wurden. Zu dieser Zeit waren längere Abschnitte der Klostermauern bereits gefallen. Zugunsten des Stadtrings, in dessen Mitte heute das Taubenhaus thront, gingen in den 70er Jahren zudem weitere ehemalige Kloster-Gebäude, wie etwa die Brennerei, verloren.

Bericht der Braunschweiger Zeitung vom 1. Juli 2009

Quelle: Braunschweiger Zeitung, 1. Juli 2009, Braunschweiger Land, Seite 09

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